Bartgeier erobern die Lüfte aus eigener Kraft. Unsere Flugzeuge benötigen dafür tonnenweise Kerosin. Trotzdem zieht es Jahr für Jahr Millionen Menschen in die Ferne – zum Wandern und Bergsteigen auf Mittelmeerinseln oder in weit entlegenen Ländern.
Für viele, die gern draußen unterwegs sind, sind Fernreisen längst zur Selbstverständlichkeit geworden. Die Folge: In manchen angesagten Gebieten anderer Kontinente sind schon mehr Wandergruppen und Seilschaften unterwegs als im Verwall, im Gesäuse oder in der Dauphiné.
Dazu kommt, dass Flugreisen – neben Fahrten auf großen Kreuzfahrtschiffen – die klimaschädlichste Form der Fortbewegung sind. Berücksichtigt man neben dem Kohlendioxid-Ausstoß auch weitere Klimaeffekte, wird die Luftfahrt für rund fünf Prozent der menschengemachten Erderwärmung verantwortlich gemacht.
Ein Hin- und Rückflug von Frankfurt nach Mallorca verursacht pro Passagier bereits mehr als 600 Kilogramm CO₂, eine Reise nach Teneriffa rund 1,1 Tonnen, nach Thailand etwa 3,6 Tonnen und nach Neuseeland beinahe zehn Tonnen. Zum Vergleich: Der durchschnittliche jährliche CO₂-Ausstoß eines Menschen in Mitteleuropa liegt in einer ähnlichen Größenordnung; weltweit sind die Emissionen pro Kopf deutlich geringer. Als langfristig klimaverträglich gelten nur etwa eineinhalb bis zwei Tonnen pro Person und Jahr.
Mit einer einzigen Fernreise setzt man oft mehr Treibhausgase frei als viele Menschen insgesamt für Wohnen, Ernährung, Mobilität und Konsum in einem ganzen Jahr verursachen. Trotzdem nimmt die Zahl der Urlaubsflüge stetig zu – auch weil Fliegen durch staatliche Subventionen und die fehlende Einpreisung vieler Umweltkosten vergleichsweise günstig bleibt.
Die gute Nachricht: In kaum einem anderen Lebensbereich lassen sich mit einer einzigen Verhaltensänderung so viele Emissionen einsparen wie durch weniger Flugreisen – und das ohne spürbaren Verlust an Lebensqualität.
Genau darin liegt das neue Ideal des Unterwegsseins: nicht weiter, schneller und höher, sondern bewusster. Außergewöhnliche Ziele, erreicht mit Bahn, Bus, E-Bike oder aus eigener Muskelkraft. Touren, bei denen das Abenteuer bereits mit der Anreise beginnt. Ist das nicht wesentlich reizvoller, authentischer und erfüllender, als auf ausgetretenen Pfaden den globalen Touristenströmen hinterherzulaufen?
Flugreisen eröffnen wertvolle Möglichkeiten: Sie verbinden Familien und Freunde über Kontinente hinweg, fördern den kulturellen und wissenschaftlichen Austausch, eröffnen Bildungs- und Karrierechancen und stärken die internationale Zusammenarbeit. Gerade deshalb erscheint es sinnvoll, Flüge bewusst und gezielt einzusetzen – und auf Kurztrips, Shopping- oder Partyreisen zu verzichten.
Wer selten fliegt und dafür länger an einem sorgfältig gewählten Reiseziel verweilt, gewinnt sogar an Reisequalität und Intensität. So kann die Fernreise wieder zu dem werden, was sie einst war: ein besonderer Höhepunkt im Leben – nicht alltägliche Gewohnheit, sondern ein lang ersehntes Ziel.