Mobilität

Die Autofahrt zu den Ausgangspunkten von Wanderungen sorgt für erhebliche CO2-Emissionen, Staus und verstopfte Parkplätze. Daher: Bitte möglichst per Bahn und Bus anreisen und, wenn notwendig, dafür einen oder zwei Tage „anhängen“!

In stadtnahen und touristisch geprägten Regionen sind die öffentlichen Verkehrsverbindungen brauchbar bis ausgezeichnet, in entlegeneren Gebieten steht man jedoch vor allem am Wochenende vor verwaisten Bushaltestellen (oder es gibt gar keine).

Viele Touren-Ausgangspunkte sind von Bahnhöfen aus per Rad oder E-Bike erreichbar. Wie’s funktionieren kann, zeigt unter anderem die Bergsteigerschule Alps.
 
In manchen Fällen bietet das – möglichst durch eine Fahrgemeinschaft ausgelastete – E-Auto eine Alternative. E-Autofahren erfordert etwas Planung, macht aber großen Spaß; Ladestationen gibt’s mittlerweile genug.
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Bus St. Bernhard
Bus St. Bernhard

Auf Schiene und im Sattel

kommt man auch im Alpenraum weit herum – mit Abstand am umweltfreundlichsten, schnell und meist pünktlich nach Fahrplan: Während bei einem Flug von Zürich nach Marseille, der siebeneinhalb Stunden dauert, pro Person rund 250 Kilogramm CO₂ emittiert werden, sind es bei der um vier Stunden längeren Bahnfahrt zwischen den beiden Städten nur 35 Kilogramm. Auch aus Deutschland und Österreich gibt es gute Zugverbindungen zur Côte d’Azur, nach Ligurien oder zur oberen Adria, in einigen Fällen sogar mit Nachtzügen und bei frühzeitiger Buchung oft recht günstig (sbb.ch, db.de, oebb.at). 
Auf den meisten Regional- und vielen Fernstrecken darf das eigene Rad nach Voranmeldung mit; damit gelangt man nicht nur zu Ausgangspunkten abseits des Bahnnetzes, sondern mitunter gleich bis zur Hütte hinauf. Das Portal bahn-zum-berg.at präsentiert viele Tourentipps samt den optimalen Öffi-Verbindungen. Vielfahrer:innen profitieren von Regional-, Monats- oder Jahreskarten (bahn.de/angebot, klimaticket.at, sbb.ch/de/billette-angebote). 

Bus & Berg

Auch Busfahrten sind sehr umweltfreundlich. Überregionale Buslinien erschließen alle größeren Alpentäler (dbregiobus-bayern.de, postbus.at, postauto.ch); mit lokalen Busunternehmen, Wander- oder Rufbussen gelangt man auch an entlegenere Orte, allerdings in unterschiedlicher Taktung und manchmal nur im Sommer. Einige Verbindungen sind noch nicht optimal auf den „vorgelagerten“ Bahnverkehr abgestimmt; da und dort geht es nicht ohne Taxi. Viele Reiseveranstalter bieten günstige Fernbus-Reisen, man findet sie auch bei eurolines.de, flixbus.de oder blablacar.de/bus (wo zudem Auto-Mitfahrgelegenheiten angeboten werden).

Wenn Auto, dann E

Ist Wandern Motorsport? Laut einer Befragung in Bergauf, dem Mitgliedermagazin des Österreichischen Alpenvereins, fahren 87 Prozent vor allem mit dem eigenen Auto in die Berge – durchschnittlich 144 Kilometer für eine Tagestour, wie eine Mobilitätsumfrage des Deutschen Alpenvereins ergab. 
Zeitdruck ist für einen Outdoor-Autor eine gute Ausrede, da mitzumachen. Immerhin tuckere ich elektrisch dorthin, wo mich Öffis im Stich lassen – mit einem Kleinwagen, denn Größe und Gewicht sind auch bei einem Stromer entscheidende Verbrauchs-Faktoren. Meine Erfahrung: Man muss anders planen als mit Benzinern oder Diesel, vor allem, weil das Laden zwischen einer halben und eineinhalb Stunden lang dauern kann. An günstig gelegenen Ladestationen – die gibts mittlerweile in brauchbarer Anzahl und man findet sie problemlos mit einer guten App wie EnBW mobility – genießt man währenddessen einen Pausenkaffee, liest ein wenig oder spaziert ein paar Schritte. Das so geladene Auto läuft verlässlich, ist insbesondere im Berggebiet unglaublich lässig zu fahren und erfordert kaum Wartung – ich würde nie wieder etwas anderes fahren! Die Reichweite wird bei neueren Modellen immer größer, aber selbst mit „meinen“ 390 Kilometern (im Sommer, bei Kälte wird es etwas weniger) sind auch ferne Ziele in vernünftiger Zeit erreichbar. 
Vor allem die Batterie-Herstellung erfordert (noch) heikle Materialien und ruft erhebliche Treibhausgas-Emissionen hervor. Doch im Betrieb sind E-Autos laut allen Studien deutlich umweltfreundlicher als Verbrenner, vor allem in Ländern, in denen viel erneuerbare Energie produziert wird. Besonders glücklich ist, wer eine eigene Photovoltaikanlage installieren kann und sein E-Mobil fortan mit Gratisstrom füttert. 
Das beste wäre: Gar kein Auto. Je nach dem Wohnort und den Anforderungen ermöglicht Carsharing günstig, weil ohne eigene Autokosten, kurze oder nur gelegentliche Fahrten. 

Alpentour statt Abheben

Fliegen ist (neben Trips auf riesigen Kreuzfahrtschiffen) die klimaschädlichste Form der Fortbewegung. Selbst laut dem Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft gehen etwa fünf Prozent aller Klimaeffekte weltweit auf den Luftverkehr zurück. 
Bei einem Hin-und-Retourflug von Frankfurt am Main nach Palma de Mallorca werden pro Passagier über 600 Kilogramm Kohlendioxid emittiert; bei einer Reise nach Teneriffa sind es 1,1 Tonnen, nach Thailand 3,6 Tonnen und nach Neuseeland fast zehn Tonnen (Quelle: myclimate.org). Zum Vergleich: Der gesamte jährliche Pro-Kopf-Ausstoß von Kohlendioxid beträgt in Deutschland und in Österreich derzeit zwischen sieben und neun Tonnen, in der Schweiz zehn bis zwölf Tonnen (Quelle: destatis.de). Im globalen Durchschnitt liegen die CO₂-Emissionen pro Person und Jahr zwischen vier und fünf Tonnen – „klimaverträglich“ wären eineinhalb bis zwei Tonnen. 
Mit einer einzigen Fernreise setzt man also oft mehr Treibhausgase frei als die meisten anderen Menschen in einem ganzen Jahr für Nahrung, Wohnung, Heizung, Konsum und Mobilität. Trotzdem steigt die Zahl der Urlaubsflüge weiter an, nicht zuletzt wegen der günstigen, weil staatlich subventionierten Preise. 
Positiv formuliert: Durch eine deutliche Reduktion von Flugreisen lassen sich so viele Treibhausgas-Emissionen verhindern wie in keinem anderen Bereich, und das ohne zwingenden Verlust an Lebensqualität. Flüge eröffnen uns so viele Möglichkeiten für Kontakte zu weit entfernt lebenden Freunden und Familienmitgliedern, für kulturellen und wissenschaftlichen Austausch, internationale Ausbildungen und Berufskarrieren oder Hilfsleistungen über Kontinente hinweg. Da erscheint es als zumutbar, auf besonders klimaschädliche Kurzstreckenflüge, Städte- oder gar Partyflugtrips zu verzichten und nur zwei- oder dreimal im Leben für eine längere, gut vorbereitete Urlaubsreise zu ganz persönlichen Sehnsuchtsorten in die Luft zu gehen.